AnzeigeAusflugsziele: Bergbau-Technik-Park e.V.

Fakten

Öffnungszeiten :

Der Park ist von Mitte März bis Mitte November wie folgt geöffnet:

Mittwoch bis Sonntag und feiertags 10 - 17 Uhr

In den bundesweiten Schulferien im Sommer jeweils Di - So 10 - 18 Uhr

Eintritt

7,00 € / ermäßigt 4,00 € / Kinder bis sechs Jahre frei

Familienkarte: 16,00 € (2 Erwachsene mit bis max. 5 Kinder)

Inhaber der Sächsischen Ehrenamtskarte oder der LEIPZIG REGIO Card erhalten eine Ermäßigung von 20%

Der Bergbau-Technik-Park im Leipziger Neuseenland

Der mitteldeutsche Raum ist geprägt von der jahrhundertelangen Gewinnung, Veredelung und Nutzung der Naturressource Braunkohle. Anfang der neunziger Jahre kam im Zuge der Wiedervereinigung und der sich damit verändernden Energiepolitik das kollapsartige Ende dieser Ära. In kurzer Frist verschwand nahezu die gesamte Infrastruktur eines Industriezweiges. Jetzt, mehr als 25 Jahre später, wird die Landschaft südlich und nördlich von Leipzig zunehmend von aus Tagebaurestlöchern entstandenen Seen geprägt. Das Leipziger Neuseenland ist auf dem besten Weg, sich bundesweit als touristische Destination zu etablieren. Die Erinnerung an die Zeit vor den Seen beginnt im gleichen Maße zu verblassen.

Um den Menschen und Besuchern der Region einen authentischen Blick in die Vergangenheit zu ermöglichen und zugleich eine Brücke zwischen Vergangenem, Gegenwart und Zukunft zu schlagen, vermittelt der Bergbau-Technik-Park seit 2012 auf einzigartige Weise einen kompletten Förderzyklus in einem Braunkohlentagebau. Der thematische Bogen spannt sich vom Rückbau der kultivierten Landschaft hin zur Vorbereitung des Vorfeldes und Grundwasserabsenkung über die Gewinnung des Abraumes und der Kohle, zum Transport bis zur Verkippung des Abraumes und der sich anschließenden Sanierung und Wiedergewinnung neuer Landschaftsräume.

Zwischen dem Markkleeberger und dem Störmthaler See, vor den südlichen Toren Leipzigs, auf dem Innenkippengelände des ehemaligen Tagebaues Espenhain, befindet sich der Standort des weitläufigen Parkgeländes. Höhepunkte der Ausstellung sind zwei imposante Großgeräte: der 1.300 t schwere Schaufelradbagger 1547 und der 2.400 t schwere Absetzer 1115. Von der Firma TAKRAF in den 80er Jahren gebaut, sind sie einmalige Artefakte der Ingenieurskunst. Die beiden Stahlkolosse konnten Dank der Initiative engagierter Mitglieder des 2002 gegründeten Bergbau-Technik-Park e. V., der Unterstützung der Kommunen Großpösna, Espenhain und Markkleeberg sowie des Freistaates Sachsen und des Regierungspräsidiums Leipzig in Zusammenarbeit mit der LMBV und der MIBRAG für die Nachwelt gesichert werden. Und noch weitere technische Geräte, (Schienenfahrzeuge, Exponate aus dem Arbeitsalltag und fotografische Dokumente) zeugen eindrucksvoll von Braunkohlenabbau, Energiegewinnung und früherer Industriekultur.

Von Beginn an erweitert der Verein stetig die Sammlung industrieller Sachzeugen aus der Geschichte der Sächsischen Braunkohlenindustrie. Ein weiterer Meilenstein bei der Erweiterung und Sicherung historischer Großgerätetechnik war am 10.08.2016 die feierliche Übergabe des Absetzers 1115 und des Universalbaggers 162-1 durch die Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft mbH (MIBRAG) und dem Traditionsverein Bitterfelder Bergleute. 2017 kommt noch eine einsatzfähige T-100 Raupe (umgangssprachlich auch Stalinraupe genannt) hinzu. Als nächsten Schritt plant der Bergbau-Technik-Park e.V. die Erweiterung der Dauerausstellung um Sachzeugen aus der sächsischen Braunkohlenverstromung und -veredelung. Die technischen Einrichtungen und historischen Maschinen stammen aus dem ältesten sächsischen Großkraftwerk in Hirschfelde. Die dortige Maschinenhalle musste bereits dauerhaft für Besucher geschlossen werden und es droht akut der Verfall. Die Stiftung Kraftwerk Hirschfelde, Technisches Denkmal und Museum hat sich 2016 daher entschieden, andere industriekulturelle Einrichtungen um Hilfe zur Sicherung und Bewahrung der einmaligen Sachzeugen zu bitten. Darüber hinaus hat das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen den Bergbau-Technik-Park e.V. um Hilfe bei der Bewahrung eines sehr seltenen Grabenschöpfgerätes aus Berzdorf / Görlitz gebeten. Die Verhandlungen mit der LMBV sind im Gange.

Was Besucher im Bergbau-Technik-Park erleben können

Eine Dauerausstellung und regelmäßige Veranstaltungen sowie 24 Schautafeln informieren über Geologie und Technologie, erinnern aber auch an die Bergleute und die zahlreichen „verlorenen Orte“, die der Braunkohle weichen mussten.
Immer samstags, sonntags und an Feiertagen um 11 und 14 Uhr (oder nach Anmeldung), führen, teils ehemalige Kumpel des Tagebaus Espenhain, kenntnisreich und unterhaltsam durch das Gelände und die Ausstellungen. Für alle kleinen Bergmänner und –mädchen gibt es nicht nur an speziellen Aktionstagen und in den Ferien spannende Angebote, wie kindgerechte Themenführungen, Werkstattkurse, eine Geocaching-Schnitzeljagd oder Ostereiersuchen. Für Schulklassen und Gruppen wurde eine spezielle Wissensrallye entwickelt. Darüber hinaus verweist ein kleiner Bergmann auf allen Schautafeln im Park auf einen speziell für Kinder entwickelten Text-Bild Bereich.
 
Seit 2012 beteiligt sich der Verein an den Tagen der Industriekultur in Leipzig. So auch zum 5. Tag der Industriekultur vom 10. bis 13. August 2017. Seit 2016 fördert die Kulturstiftung des Freistaats Sachsen Veranstaltungen und Projekte zur Industriekultur. So dürfen sich Besucher in diesem Jahr auf ein außergewöhnliches Konzert und technische Vorführungen, wie das Drehen des Schaufelrades am Bagger 1547, freuen.

Um einen Ort lebendiger Wissensvermittlung zu schaffen, ist es notwendig, die themenbezogenen Dinge haptisch-plastisch und fantasievoll zu gestalten. Dank des LEADER Förderprogramms zur Ländlichen Entwicklung entsteht 2017/18 der einzigartige Abenteuerspielplatz „Tertiär“. Kernstück wird die Spielskulptur eines lebensgroßen und begehbaren Urzeithais (carcharocles megalodon) aus dem Eozän sein. Sein riesiger hölzerner Körper aus gebogenen Sparren erstreckt sich im Sand. Verschiedene spielerische Kletterelemente laden zur Erkundung des Äußeren und Inneren ein. Die Umgebung der Haispielskulptur ist als Kletterwald nach Vorlagen tertiärer Flora gestaltet, die spielerisch Koordination und Motorik der Kinder fördern, ihre „urzeitliche Fantasie“ anregen und zugleich Wissen über die charakteristische Flora nahebringen.

Seit 16 Jahren lädt der Verein einmal im Jahr ehemalige Werktätige und Bergmänner aus dem BKK Borna und dem Raum Leipzig zum traditionellen Espenhainer Ehemaligentreffen ein.

Der Park versteht sich als ein authentischer Ort lebendiger Geschichtsvermittlung, wie als touristische Landmarke und Dokumentationszentrum sächsischer Braunkohlenindustriegeschichte sowie Industriekultur. Er verbindet das Lernen über und die Erinnerung an den Braunkohlenabbau mit der Funktion der touristischen Attraktion und der Erholung. Themen wie Energiegewinnung und –verbrauch werden ebenfalls aufgegriffen. Industriekultur ist zu finden in Sachzeugnissen und Denkmalen, in der Architektur, aber auch in Wissen, sozialen Prägungen und Mentalitäten. Industriekultur ist auch ein Schlüssel für die Bewältigung von Entwicklungs- und Transformationsprozessen. Die Beschäftigung mit ihr deckt Kontinuitätslinien in der Entwicklung des Industriestandortes Leipzig mit denen Sachsens und Europas auf. Die Route der Industriekultur in Sachsen mit dem Bergbau-Technik-Park als einen von drei westsächsischen Einrichtungen zeigt, dass die Industriekultur in Sachsen eine zunehmende Aufwertung erfährt. Der 2014 von uns erarbeitete und herausgegebene Themenreiseführer  „Auf den Spuren der Braunkohle“, der auch in englischer und tschechischer Sprache aufgelegt wurde, zeigt die überregionale Bedeutung des Bergbau-Technik-Park für die museale Bewahrung und Vermittlung der Industriekultur im Kontext der Entwicklung des Leipziger Neuseenlandes.

Darüber hinaus verbindet die Mitteldeutsche Straße der Braunkohle ca. 70 Sachzeugen der Braunkohlenförderung und -verarbeitung in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Straße verläuft mit ihrer Hauptroute vom Bergwitzsee bei Kemberg über Gräfenhainichen, Bitterfeld und Delitzsch nach Leipzig, weiter über Borna und Altenburg, Zeitz und Weißenfels zum Geiseltal und endet in Halle. Regionalrouten und Abstecher ergänzen das Konzept und erschließen Sehenswertes außerhalb der touristischen Brennpunkte. Die Einbindung des Parks in die Route „Kohle-Dampf-Licht“ ist in Vorbereitung.

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